Wilder Kaiser: 3 Tage, 2 Hütten und ein Klettersteig
10h 20m
Dauer
22,5 km
Entfernung
1909 m
Aufstieg
1907 m
Abstieg
Mittel10h 20m22,5 km755 - 2187 m
Beschreibung
Inhaltsverzeichnis
Der Wilder Kaiser kennt keine Gnade. Es geht nicht um technische Schwierigkeit – die hält sich in Grenzen – sondern um den ständigen Respekt, den diese Kalkstein-Riesen einfordern. Du stehst unter ihnen, schaust nach oben und weißt, dass du die nächsten drei Tage in ihrem Schatten verbringen wirst. Wir parkten an einem Junimorgen in Going, als die Luft nach frisch gemähtem Gras und Kuhdung duftete. Rucksäcke schwer, Schuhe geschnürt, vor uns zwei Hütten und ein Klettersteig.
Wenn wir den steilen Anfang überstanden haben, erwarten uns solche Ausblicke
Tag eins: Going – Gaudeamushütte
Der Anfang ist eine Schinderei. Parkplatz im Zentrum von Going (kostenpflichtig, Schilder beachten – Tirol versteht keinen Spaß mit Privatgrundstücken) und sofort bergauf. Steil. Richtig steil. Die ersten 400 Höhenmeter macht man im Wald, wo die Sonne nicht hinkommt, aber der Schweiß in Strömen fließt, die Luft steht still. Die Waden brennen, der Atem stockt. Das ist der Moment, in dem du dich fragst, warum du überhaupt das Haus verlassen hast.
Aber dann endet der Wald und die Magie beginnt. Du kommst über die Baumgrenze und plötzlich hast du die endlosen Wiesen Nordtirols vor dir. Ein Grün so intensiv, dass es in den Augen schmerzt. Der Weg flacht ab, die Höhenmeter sind nur noch symbolisch. Unterwegs zwei Wasserfälle – nicht spektakulär, aber bei 30 Grad Hitze ist jeder Bach ein Segen. Wir tauchten unsere Köpfe hinein, füllten die Flaschen auf. Das Wasser eiskalt, direkt aus dem Fels.
Die Gaudeamushütte erreichten wir nach knapp vier Stunden. Die Hütte liegt auf etwa 1270 Metern Höhe, technisch also erst der Vorraum der echten Berge. Aber die Aussicht? Schon hier spürst du, dass du im Herzen des Kaisergebirges bist. Wenn du mit Halbpension gebucht hast (was ich empfehle), versuche vor 18:00 Uhr da zu sein – später hat die Küche nur noch eine eingeschränkte Karte. Wir haben es geschafft. Das Wiener Schnitzel war dick wie eine Schuhsohle und knusprig wie es sein soll. Dazu Almdudler und Stille, nur unterbrochen vom Läuten der Kuhglocken. Auf der rechten Seite sieht man das Ellmauer Tor, das Ziel des zweiten TagesEiner der interessanteren Momente
Tag zwei: Gaudeamushütte – Ellmauer Tor – Jubiläumssteig – Gruttenhütte
Das war der Tag, für den wir hergekommen sind. Früh aufstehen, solides Frühstück (Rührei, Brot, Käse, Schinken – Klassiker), und los geht's. Ziel: Ellmauer Tor, ein Pass auf über 2000 Metern Höhe. Das ist einer der bekanntesten Orte im Wilden Kaiser und das nicht ohne Grund.
Der Aufstieg dauerte zwei Stunden. Der größte Teil der Strecke besteht aus Geröll und Steinen, aber technisch nichts Schwieriges. Es gibt mit Seilen gesicherte Stellen – dort ist es steil und man muss aufpassen, wohin man tritt. Die Hitze war brutal. Die Sonne brannte direkt auf die Felsen, die die Wärme wie ein Backofen zurückwarfen. Wir tranken literweise Wasser. Aber wenn du oben am Pass ankommst und siehst, was auf der anderen Seite ist... Wahnsinn. Kalksteinwände fallen fast senkrecht ab, und unten erstreckt sich ein Tal wie aus dem Märchen. Der Wind am Grat war so stark, dass er einem fast den Kopf abriss, aber niemand beschwerte sich. Wir standen einfach da und schauten.
Der Abstieg vom Tor war weniger angenehm. Der Untergrund instabil, locker. Man musste bei jedem Schritt aufpassen, denn ein verstauchter Knöchel ist schnell passiert. Aber das war noch nicht alles – vor uns lag der Jubiläumssteig, ein Klettersteig der Kategorie B. Eine Stunde pures Adrenalin. Jubiläumssteig
Es ist nicht der schwierigste Klettersteig, den ich gemacht habe. Kategorie B ist ein Niveau, das eine Person mit minimaler Erfahrung oder sogar Jugendliche schaffen kann. Es gibt Leitern, Seile, Ausgesetztheit – aber kontrolliert. Du brauchst Helm und Klettersteigset (kann man im Tal ausleihen). Ich ging ohne Probleme, aber wenn du Höhenangst hast – überlege es dir zweimal. Wenn nicht – viel Spaß. Die Aussichten vom Klettersteig sind brutal. Unter dir der Abgrund, über dir die Felsen, und du hängst am Seil und fühlst dich lebendig.
Die Gruttenhütte empfing uns mit Bier. Kalt, schaumig, perfekt. Die Hütte ist kleiner als die Gaudeamus, gemütlicher. Übernachtung im Mehrbettzimmer (wie überall in den Bergen), aber die Atmosphäre ist großartig. Abendessen: Kaiserschmarrn mit Zwetschgenkompott. Süß, schwer, kalorienreich – genau das, was der Körper nach so einem Tag braucht.
Tag drei: Gruttenhütte – Going
Der letzte Tag ist nur noch Abstieg. Wir hatten keine Gipfel geplant, denn ein anderes Ziel wartete auf uns: der Hintersteiner See. Ein See am Fuße des Massivs, eisklar und perfekt zum Abkühlen. Der Abstieg von der Gruttenhütte dauerte etwa drei Stunden, technisch null Probleme. Die Beine spürten schon diese drei Tage, aber nichts Dramatisches.
Der Hintersteiner See ist kein wilder Bergsee – es gibt einen Strand, Infrastruktur, Toiletten. Eintritt kostenpflichtig (ein paar Euro), aber es lohnt sich. Das Wasser war so kalt, dass ich in der ersten Minute dachte, mein Herz bleibt stehen. Aber dann gewöhnte sich der Körper daran und es war wunderbar. Wir lagen auf der Wiese, trockneten in der Sonne und schauten auf den Wilden Kaiser, der über dem See thronte wie ein Wächter. Das war das perfekte Finale.Der Hintersteiner See ist der perfekte Ort zum Entspannen nach der Wanderung
Für wen ist diese Tour?
Machen wir uns nichts vor – das ist keine Tour für jeden. Der erste Tag ist ein steiler Start, der ordentliche Kondition erfordert. Wenn du nicht regelmäßig in den Bergen unterwegs bist, wirst du es in den Waden spüren. Der zweite Tag mit dem Klettersteig ist eine andere Liga – du brauchst einen Kopf für die Höhe und mindestens ein bisschen Erfahrung (oder viel Mut). Wenn du Angst vor Ausgesetztheit hast, könnte der Jubiläumssteig ein Problem sein.
Konditionell? Ich würde 6/10 geben. Es ist kein Spaziergang, aber man muss auch kein Ultra-Marathonläufer sein. Technisch: 4/10 ohne Klettersteig, 6/10 mit Klettersteig. Ausgesetztheit: stellenweise hoch, besonders am Jubiläumssteig. Familien mit Kindern? Wenn die Kids abgehärtet sind und Erfahrung haben – ja. Wenn es ihre erste Bergtour ist – lass es.
Was du brauchst: solide Trekkingschuhe (Geröll und Steine verzeihen nichts), Stöcke (deine Knie werden es dir danken), Helm und Klettersteigset für die Ferrata (kannst du im Tal ausleihen, z.B. in Ellmau), mindestens 2 Liter Wasser pro Tag (die Hütten haben Wasser, aber besser Vorrat haben). Und natürlich Hüttenreservierung – in der Saison (Juni-September) können Gaudeamushütte und Gruttenhütte voll sein. Am besten schon im Winter reservieren.
Hütten und Logistik
Parkplatz in Going: Ortszentrum, kostenpflichtig (Preise auf den Schildern beachten). Tirol ist streng beim Parken auf Privatgrundstücken – riskiere kein Bußgeld.
Gaudeamushütte: Übernachtung etwa 25-30 Euro/Person (Mehrbettzimmer). Frühstück: 10-12 Euro. Abendessen: 12-18 Euro (große Portionen, solides Essen). Ich empfehle das Wiener Schnitzel. Reservierung in der Saison obligatorisch.
Gruttenhütte: Ähnliche Preise. Kaiserschmarrn ist ein Muss. Kleinere Hütte, gemütlicher. Ebenfalls Reservierung erforderlich.
Klettersteig Jubiläumssteig: Kategorie B, Gehzeit etwa 1 Stunde. Ausrüstungsverleih in Scheffau, Going, Ellmau. Kosten: 15-20 Euro/Set (Helm + Gurt + Klettersteigset).
Hintersteiner See: Strandeintritt: ein paar Euro. Parkplatz am See kostenpflichtig. Wasser eiskalt, aber gute Infrastruktur (Toiletten, Umkleiden).
AlpsCraft Fazit
Der Wilder Kaiser ist eine Tour, die genau das liefert, was man von den Alpen erwartet: Schweiß, Aussichten, Adrenalin und Bier am Ziel. Wenn du drei Tage hast und spüren willst, wie es ist, im Schatten einer Kalksteinkrone zu wandern – pack deinen Rucksack.
Fotogalerie
Technische Spezifikationen
Dies ist ein mehrtägiger Wanderweg. Die folgenden Werte sind die Summen aller Etappen.
Dies ist ein vereinfachtes Höhenprofil, das den höchsten und niedrigsten Punkt des Weges zeigt. Für ein detailliertes GPS-verfolgtes Höhenprofil verwenden Sie bitte eine dedizierte Wander-App.